Klassenzimmer auf der Alm
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Eine Woche, wo Priel passiert ist

Am Montag starteten die Exkursionen. Never mind – die eine Gruppe ist schon am Sonntag losgelaufen. Die anderen sind hier auf der Alm geblieben, haben Challenges gemacht, sind durch die Gegend getingelt, um die Phyrn-Priel-Card auszunutzen oder haben für einen halben Ironman trainiert. Währenddessen haben 13 von uns ihre Sachen gepackt und sind losgezogen mit demselben Ziel im Blick – das Prielschutzhaus.


Dazu sollten wir erklären, dass es eigentlich zwei verschiedene Gruppen waren, mit jedoch sehr ähnlichen Routen. Deshalb ist auch die eine Gruppe mit dem Auto und die andere in einem Bus gefahren. Einem kleinen Bus. Mit einer ganzen Schulklasse. Zum Glück mussten die Mülltüten nicht ausgepackt werden und wir haben es alle sauber und gesund bis zur letzten Haltestelle geschafft, wo dann die eigentliche Wanderung losging. Damit es für den folgenden Blogeintrag einfacher wird, sprechen wir von unserer Gruppe, der Lebendigkeitsgruppe und der anderen, der Klettersteiggruppe.
Gleich unten am Parkplatz haben wir unsere ersten Challenges gezogen, um Wanderer auf unserem Weg lebendiger zu machen. High Fives, Gruppenfoto, Gebärdensprache, Gegenstände tauschen – es war sehr ereignisreich. Durch einen schönen und steilen Waldweg spazierend haben wir vielen Leuten ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, auch wenn unsere Gesichter ganz schön rot von der Anstrengung waren. An einem schönen Wasserfallspot haben wir Pause gemacht. Wer hätte es gedacht? Wir haben die Klettersteiggruppe getroffen! Zusammen haben wir unsere Köpfe ins Wasser gehalten und den ein oder anderen für Mogli gehalten.


Nachdem wir uns von dem ersten Teil des Weges erholt haben, den man mit den Worten “Oh Gott, das ist das Anstrengendste, was ich je gemacht habe! Der Rucksack ist so schwer!” beschreiben könnte, sind wir mehr oder weniger schweigend bis zur Hütte gewandert. Wenigstens hatten wir (im Gegensatz zu gewissen anderen Personen) keine 8 kg Brot dabei. Rucksäcke abgestellt, Brot ausgepackt und erstmal gegessen, so sah unsere Ankunft aus, bis wir die andere Gruppe – stolz, dass wir als erste oben waren – mit der epischen 7 vs. Wild Musik begrüßt haben. Das wertvolle Pril-Spülmittel hatte sich dazu entschieden, auszulaufen: “Riecht es hier nach Spülmittel?”, “Auf gar keinen Fall!”. Bis zum Abendessen haben wir dann auf der Hütte gegammelt, bis es zu einer dramatischen Diskussion kam…
Es waren einmal 6 kg Nudeln, 3 Gaskocher, 2 Töpfe und 2 Wandergruppen. Der Hunger war groß und die Nerven am Ende. “Wer kocht zuerst?” – “Achsoooo, die Nudeln sind gar nicht für uns alleine” – “Das reicht doch niemals!” – “Ach, das ist doch Schwachsinn, jetzt kocht ihr doch erstmal eure Nudel und dann kocht einfach für uns mit” – “Aber halt stopp, das reicht doch trotzdem niemals!” …eine halbe Ewigkeit später…” Wie, das Pesto wollt ihr auch noch haben?!” – “Und ihr habt nicht mal Töpfe dabei?”… Die Moral von der Geschicht: aufgegessen wurde natürlich alles, nicht.
Nach einem oberflächlichen Gespräch, lustigem Zähneputzen und ein paar Gitarrenklängen, sind alle erschöpft und sehr voll eingeschlafen. Wegen Gewittervorhersage sind wir am nächsten Tag um 5:30 Uhr von 3 Weckern aufgeweckt worden, damit wir es noch vor den Blitzen wieder nach unten schaffen. Der große Priel, unser Ziel, die Interaktion auf dem Weg uns gefiel. Mit netten Botschaften in der Tasche, guten Unterhaltungen und einer wunderschönen Aussicht (bei Sonnenschein!) fiel uns der Aufstieg gar nicht mehr so schwer. In der Zeit hätten wir auch 2 langweilige Filme schauen können, doch diese Momente werden als selbstgedrehte Filme nachhaltig in unseren Köpfen bleiben. Wir trafen eine Viktoria ( Challenge: Person mit gleichem Namen wie in unserer Gruppe finden), haben einen Klettersteig gemeistert und kamen nach ein paar Stunden und viel Schweiß (und interessant verteiltem Gepäck) am Gipfel an – begeistert. Oben durfte das Gipfellecken und eine Tanzeinheit natürlich nicht fehlen. Zitat: “Joa, schmeckt nach Gipfel…schmeckt besser als das Warscheneck”. Leider haben wir sie nicht gesehen, aber wir hätten der Klettersteiggruppe auf der Spitzmauer winken können.



Die besonderste Gipfelbegegnung hatten wir mit Oliver und Margarethe, zwei sehr liebevolle und begeisterte Wanderer. Wir haben ihnen zwei Botschaften gegeben, ihnen viel über das Projekt KADA erzählt und sind dabei gut ins Gespräch gekommen. Sie waren so berührt von unserer Aktion, dass sie das ein oder andere Tränchen verdrückt und ihren Rosenkranz gegen unseren Schutzengel-Anhänger getauscht haben. So einfach kann Gemeinschaft und Menschlichkeit sein – ein Moment der uns alle geprägt hat. Wir sind wieder abgestiegen und Überraschung: unten haben wir die beiden gleich nochmal getroffen. Wir haben uns noch weiter ausgetauscht, unser Marmeladenglas-Lied vorgesungen und bei einem ausgegebenen Getränk haben wir noch einen Eintrag in unser Buch bekommen. Genau sowas wollten wir mit unserem Projekt erreichen. Danke Olivero und Margarethe!

Danach waren wir alle ein wenig am kränkeln (wir wussten noch nicht, dass währenddessen auf der Alm auch die Seuche rumgeht) und haben die Betten auf der Hütte gut getestet. Wir haben massiert, Podcast gehört und Füße im Gesicht gehabt. Den geplanten Quinoa haben wir zum Abendessen gar nicht mehr gebraucht und auch einen großen Teil vom ganzen halben Kilo Margarine haben wir wieder mit runter genommen. Nach einer gemütlichen, aber sehr ehrgeizigen “Wizard” Runde und einer Runde “Therapeut” ging es mit vollem Herzen ins Bett.



Am letzten Tag haben wir nochmal einige Challenges absolviert und ganz viel Lebendigkeit versprüht. Bei Musikeinlagen mit Julia als unsere Managerin, lustigen Bildern und einer Runde “Flip 7” mitten auf dem Weg, ist uns klar geworden, was für einen Mehrwert Offenheit, Kommunikation und Herzlichkeit haben. Nach einem sehr langen Abstieg (5 statt 2 Stunden) haben wir mit ein paar Spenden, die wir auf dem Weg bekommen haben, den Spar gestürmt und eine erholsame Mahlzeit am Gipfelkreuz genossen, bis unser Bus wieder kam (dieses Mal groß und ohne Schulklasse). Auf spontan sind wir nochmal in den Badesee gehüpft, bevor wir herzlich (aber mit 1,5 M Sicherheitsabstand) wieder auf der Alm begrüßt worden sind. Für uns und alle anderen waren die Exkursionen ein voller Erfolg.

Der Donnerstag war ein Organisations- und Präsentationenvorbereitungstag. Ausführlicher berichten wir euch davon jetzt nicht, da es sonst den Rahmen bricht. Sonst verzieht ihr noch euer Gesicht. Deshalb halten wir es schlicht. Wie ihr merkt, sind wir große Poeten, was wir am Freitag Abend beim Poetry Slam 2.0 unter Beweis gestellt haben. Nach den ganzen Präsis, die alle super lustig, informativ, spannend und berührend waren (denn es waren auch unsere letzten), haben auch wir wieder gemerkt, wie wichtig uns die Gemeinschaft hier ist. Es wurden 15 Werke vorgetragen, Freuden- und Trauertränen geweint und ganz viele Momente aus der Almzeit wieder aufgegriffen. In einer großen Gruppenumarmung und einer mittlerweile traditionellen Runde Riptide haben wir gemerkt, wie viel uns allen die Zeit und die Menschen bedeuten. Eine gute Zusammenfassung: Was reimt sich auf Lilie? Wir sind eine große Familie.
Am Samstag stand nochmal viel auf dem Programm. Neben einem halben Ironman hat noch ein Schwimmwettkampf stattgefunden und das Seil am Gleinkersee wurde geschwungen. Und was nicht unerwähnt bleiben sollte: Der letzte Alm-Geburtstag wurde mit Kuchen und Girlanden gefeiert. Wir sind super stolz auf den 3. Platz im Schwimmwettkampf im Hallstätter See und die Teilnehmenden des halben Ironmans – ihr habt unseren größten Respekt!
Den Sonntag haben wir folglich wie Faultiere verbracht und ganz viel gechillt. Eine Gruppe ist nach Wien aufgebrochen und mit gutem Essen und einem Film, haben die anderen ihren Tag auch besonders gestaltet. Auf gut österreichisch: Es war a griabige Wochn mit gonz vü Gschichtn für eich dahoam oder do untn, ihr Talratschn und Flachlandler! Mir bleibn noch a bisserl beim Gschaut und schicken eich an alpinen Gruß owe.
PS: Von 3 Gruppen, die auf den Gipfel des großen Priels wollten, waren wir die einzige, die es auch geschafft hat…
Leni & Finja
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