Klassenzimmer auf der Alm
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Das war KADA! Der Blog danach

Ziemlich genau eine Woche ist nun vergangen, als wir am Oberwengerhof „Die da oben“ verabschiedet haben* (mein Zahlengedicht findest du weiter unten). Ich merke, wie noch vieles von den 13 Wochen auf der Alm bei mir nachwirkt. Heute Nacht habe ich davon geträumt, wie wir vom A-Team mit den Jugendlichen über eine Verlängerung der Schlafenszeit diskutieren und mir nebenbei erschrocken einfällt, ob das Dachfenster in meinem Zimmer wohl geschlossen ist, weil’s gerade regnet. Da will offensichtlich noch einiges verarbeitet werden. Vielleicht trägt dieser Blog-Beitrag seinen Teil dazu bei…
Wenn ich in den letzten Tagen zurückdenke an die Zeit auf der Alm, spüre ich viel Dankbarkeit. Für das IM MOMENT SEIN mit den Jugendlichen beim Spikeball oder Karten spielen, für den Humor und das gemeinsame Lachen über alles Mögliche, was mich mit viel Leichtigkeit durch die Zeit getragen hat. Ich bin dankbar für die vielen gemeinsamen Erlebnisse am Dachstein, bei der Wanderung zum Sonnenaufgang auf den großen Pyhrgas zu Fionas 18. Geburtstag, bei der Exkursion im Priel Gebiet, bei den gemeinsamen Klettersteigen und für die vielen kleinen Erlebnisse rund um und in der Alm. Ich habe viele intensive und tiefgründige Gespräche geführt, die mich nachhaltig noch bewegen und etwas melancholisch werden lassen… „Wenn ich deren Alter selbst schon so reflektiert auf die Welt geblickt hätte…“
Gleichzeit merke ich, wie wir als A-Team und das ganze Alm-Setting auch weiter zur Selbstreflexion beigetragen haben. Viele berichten, dass sie nun mehr über ihre Gefühle reden können und der Rahmen vor Ort ein „safe space“ war, um sich zu öffnen. Das „sich Öffnen“ habe ich besonders an den Poetry Slam Abenden gespürt. Die vorgetragenen Texte haben mich sehr berührt und offengelegt, wie wohl sich „Die da oben“ in der großen, starken Gemeinschaft auf der Stefansbergalm gefühlt haben. Nicht nur innerlich hat sich viel bewegt. Bei Polkatanzen, dem gemeinsamen Schwimmengehen, Handstand oder Jonglieren lernen, Outdoor-Fitnessstudio oder den morgendlichen Joggingrunden haben viele von uns die Freude an der Bewegung neu oder wiederentdeckt.
Was habe ich selbst in meiner Rolle als Schulleiter gelernt? Ich darf nicht immer alles so ernst nehmen und das Verhalten der anderen nicht persönlich nehmen, sondern als Teil des Erwachsenwerdens deuten, ohne dabei den Gesamtrahmen und meinen eigenen Wertekompass aus dem Blick zu verlieren. Jugendliche merken es und haben es mir auch persönlich so zurückgemeldet, wenn ich krampfhaft versuche eine Rolle auszufüllen, statt mich authentisch mit allem zu zeigen, was mich ausmacht. Dazu gehört auch, sich offen mit den Gefühlen zu zeigen, die ich gerade fühle, weil die Jugendlichen dadurch mich besser verstehen und die getroffenen Entscheidungen besser nachvollziehen können.
Ich habe gelernt, wie erfüllend es ist – zusammen mit meinem fantastischen A-Team – so viel Verantwortung wie möglich an die Jugendlichen zu übertragen, weil sich daraus für beide Seiten starke Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten ergeben. Ich bin stolz darauf, wie wir als Team den Boden bereitet haben, um den Jugendlichen diese Weiterentwicklung zu ermöglichen. „Die da oben“ haben diese Chance aus meiner Sicht dankend angenommen und die ihnen aufgetragenen Aufgaben so souverän gemeistert. Ich habe großes Vertrauen, dass die Jugendlichen nun auch in ihrem Alltag mehr Verantwortung übernehmen werden und damit genauso selbstsicher umgehen werden wie auf der Alm. Wir, bzw. die gesamte Gesellschaft, sollten den jungen Menschen noch stärker auf Augenhöhe begegnen, ihre Anliegen ernst nehmen und transparent und ehrlich mit ihnen kommunizieren. Das ist eine meiner wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit.
Ich möchte mich auf diesem Weg auch nochmal herzlich beim pädagogischen A-Team bedanken. Unser starkes Miteinander – geprägt von Humor, Offenheit sowie gegenseitiger Achtsamkeit und Unterstützung – hat auf die Gesamtgruppe abgestrahlt. Viele der Jugendlichen haben genau diese Werte während der Almzeit geschätzt und selbst weiterentwickelt. Aus meiner Sicht gehen viele Jugendliche mit einer anderen Ausstrahlung als zu Beginn aus der Almzeit heraus und sind alle erwachsener geworden, als sie es noch im Mai gewesen sind. Diese Jugendlichen, die wir als A-Team vom Klassenzimmer auf der Alm begleiten durften, sind kreativ, intelligent, empathisch und wollen wirksam werden in der Welt.
Ich merke, wie wichtig die Säule der Persönlichkeitsentwicklung in diesem Projekt ist und möchte diesen Bestandteil in Zukunft noch weiter stärken. Die darauf ausgerichteten Übungen in den Morgenrunden waren anfangs nicht immer beliebt, in den Rückmeldungen am Ende wurde jedoch deutlich, dass die Jugendlichen viel daraus mitnehmen konnten. Das zeigt mir: Lasst uns den jungen Menschen mehr Gehör schenken und Räume zur Entfaltung ihrer ganz individuellen Persönlichkeit bieten. Diese 27 Jugendlichen werden ganz anders in die Welt gehen, weil sie ihren inneren Kompass mit einer großen Palette von wichtigen Werten ausgerichtet haben. Mit der stärkenden KADA-Gemeinschaft im Rücken, werden sie einige Veränderung mit voranbringen, da bin ich mir sicher. Ich bin sehr gespannt, wie sich alle Teilnehmenden vom KADA-Jahrgang 2026 weiterentwickeln werden und freue mich jetzt schon auf das Nachtreffen.
Vielen Dank auch an das Office-Team im Hintergrund, allen voran an Ricarda Schneegass, die das Projekt erst möglich gemacht hat. Wir vom A-Team haben dich als gute Freundin wahrgenommen und konnten mit jeglichen Anliegen immer auf dich zukommen und es war spürbar, wie sehr dir das Wohl des Teams und der gesamten KADA-Gruppe am Herzen lag. Ihr habt uns vor Ort von vielem Organisatorischen befreit, damit wir die Zeit mit den Jugendlichen maximal auskosten konnten. Danke, dass ihr das ermöglicht habt!
Und hier noch mein Zahlen-Gedicht* vom Abschied am Oberwengerhof:
EINSt kam ich mit meinem A-Team auf’a Alm vom Stefansberg an,
leichte ZWEIfel, ob ich das in meiner Rolle packe – zogen mich in den Bann.
Was wird mich in der Zeit erwarten?
DREIste Jugendliche, die nur ihren Willen durchsetzen
oder junge Menschen, die sich liebevoll mit dir an einen Tisch setzen?
Ich war so motiVIERt, ich war fast schon motiFÜNFt,
jetzt höre ich wie so mancher die Nase rümpft.
Die Umgebung – schöner als die SECHSische Schweiz,
eingebunden in der Natur sein – hat schon seinen Reiz.
Durch Noten Schüler*innen ausSIEBEN – nicht unser Motto!
Abschiede hatten wir trotzdem schon recht flotto.
In ACHTsamkeit verbunden waren wir die Zeit auf der Alm in den Bergen,
viele von den NEUN Erfahrungen werden „Die da oben“ sicherlich nicht verbergen.
Bei „Volle Kanne“ und „logo!“ auf ZEHNdung gewesen,
ob bei den Tieren, bei Projekten in der Küchen mit Besen…
alle hELFen sich gegenseitig in einer starken Gemeinschaft,
ZWÖLF Stunden am Tag oder auch in der Nacht – hier wird richtig was g’schaft.
DREIZEHN Wochen (gefühlt Monate) gehen nun vorbei,
bitte legt auch Zuhause weiterhin euer Ei.
Es fällt mir schwer euch jetzt nimmer zu sehen, owei owei,
mit VIERZEHN sollt’s eigentlich weitergehen, aber mir fällt nix ei(n).
Mit FÜNFZEHN aber deutlich erwachsener werdet ihr nun nach Hause gehen,
euch in eins der SECHSZEHN Bundesländer zurückverziehen.
Da bleibt mir zum Abschied nur zu sagen:
Haun’se Rheinland-Pfalz wir uns bald wiedersehen
und bleibt so wie ich bin!
Euer Tobias

Katrins ABC-Gedanken zum Abschied
Almleben haben wir drei Monate zusammen genossen.
Bedeutung wird diese Zeit für alle haben.
Charaktere haben sich erfolgreich vernetzt.
Dankbarkeit war für uns eine wichtige Tugend.
Ehrlichkeit konnte mit Achtung füreinander gepaart werden.
Fürsorge füreinander wurde gepflegt,
Gemeinschaft großgeschrieben.
Herzlichkeit, Heiterkeit, Harmonie haben wir immer wiedergefunden.
Intelligenz in vielen Facetten brachte die Alm zum Glänzen.
Jugendliche durften sich finden, sich zeigen.
Kochkünste hielten Leib und Seele zusammen.
Liebe fand einen fruchtbaren Boden.
Menschlichkeit wird in die Welt getragen.
Natur wird geschätzt und geschützt.
Ofenwärme wärmte unsere Körper und Herzen.
Projekte durften persönlich wichtig sein.
Quatsch und Spaß kamen niemals zu kurz.
Respekt füreinander wuchs und gedieh.
Sensibilität für eine große Gruppe ist entstanden.
Tische und Betten wurden geteilt.
Unterhaltungen waren wirklicher Austausch.
Verwandlung konnte geschehen,
Wirksamkeit empfunden werden.
Xtrem hohe Berge haben wir erklommen.
Yoga hielt uns geschmeidig.
Zuneigung wird uns immer verbinden.

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