Klassenzimmer auf der Alm
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Kletterlegende Stefan Glowacz zu Besuch
Ein Wohnmobil – fast größer als unsere Alm – kam am Freitag den 17.Juli unseren löchrigen Schotterweg hochgeschaukelt. Groß, grau und geschmückt mit Bergführerlogo, hat es uns alle direkt in den Bann gezogen. Die Augen wurden groß und die Begeisterung stieg, als Stefan Glowacz seinen Kopf rausstreckte und unser Zuhause betrat. Kurzer Crashkurs für alle, die ihn seltsamerweise noch nicht kennen: Profiextremkletterer, Rockmaster in Arco gewonnen (1987, 1988, 1992), Vizekletterweltmeister 1993, viele bekannte Erstbegehungen, atemberaubende Exkursionen und vieles mehr. Also auf gut österreichisch: A sauguader Kletterbua!
Nachdem wir alle sein cooles Mobil erkunden durften, haben wir uns bei einem Kaffee mit ihm ein bisschen ausgetauscht. Aber nur mit einer Sportlegende zu reden wäre ja fast langweilig. Weil wir hier so eine schöne Umgebung haben, kam uns also die Idee, unseren spitzenlosen Baum mit Gurt und Seil zu erklimmen. Wie in einem Film sind wir, mit allem ausgerüstet, durch das meterhohe Gras geschritten (es wurde vor 2 Wochen gemäht). Hätten wir epische Musik und ein bisschen Wind gehabt, hätte die Szene Potenzial für einen Actionfilm gehabt. Endlich angekommen, nach einem schweren, schweißtreibenden Aufstieg (ca.3min), hat Stefan erst mal sein Können gezeigt. Er ist im Vorstieg den Baum hochgeklettert und hat uns ein Seil eingehängt. Nacheinander durften wir alle einmal sichern und einmal klettern. Mit der funky Sicherungsbrille mussten wir uns erst mal vertraut machen, bis wir ihren Nutzen erkannt haben. Beim Klettern selber sind wir, wie Mogli durch die Äste gleitend, nach oben geschwungen. Das hat uns allen super viel Spaß gemacht, wir haben einen weiteren Punkt von unserer Bucketlist abgehakt und gemerkt, wie einfach Freiheit ist.



Damit unsere Muskelkraft nach dieser äußerst anstrengenden Exkursion nicht schwindet, haben wir gscheid ins Essen reingehauen. Ob es unser bestes Essen war, darüber könnte man sich streiten, aber die Zucchinipuffer waren immerhin eine Abwechslung zum ewigen Reis- und Bulgurkreislauf. Ob man Kartoffelbrei aus Knödelteig machen kann? Wir haben es für euch getestet: möglich aber nicht empfehlenswert. Zur Entschädigung gab es noch ein Eis, wir müssen ja einen guten Eindruck hinterlassen.
Je tiefer die Sonne wanderte, desto höher wurde die Spannung. Alle eng in der Stube versammelt, lauschten wir Stefans Vortrag. Seine Geschichten haben uns so gecatcht, dass sogar niemand es gewagt hat, zu reden – das muss man bei uns erstmal schaffen. Er wurde schon in den Bergen geboren und dort von seinen naturbegeisterten Eltern jedes Wochenende zum Wandern mitgenommen. Dafür war er ihnen zumindest im Nachhinein sehr dankbar, aber irgendwann wurde das Wandern langweilig und er hat darum gebeten einen Kletterkurs zu machen. Als er dann ein Magazin von einem braungebrannten Kletterer in gelber Sporthose gesehen hat, hat er das Felsklettern für sich entdeckt – der Grundstein für seine späteren Erfolge. Die Schule hat er irgendwie durchbekommen, aber sein Kopf war immer beim Felsen. So hat er Tag für Tag Felsen erobert und war vom Klettern nicht mehr abzubringen. Da der Sport an sich erst in den Anfängen war und das Felsenklettern eine quasi neu erfundene Sportart war, gab es wenig Möglichkeiten, sein Können unter Beweis zu stellen. 1985 fand jedoch schließlich der erste internationale Kletterwettbewerb in Italien statt. An diesen nahmen die damals bekanntesten Kletterer und Stefans Idole teil. Stefan auch. Dadurch, dass die bekannten Stars unter dem Druck standen, abliefern zu müssen, hat er die Chance ergriffen – und hat gewonnen. Es folgten weitere Wettkämpfe, die er mit Bravour meisterte. Auch das Free Solo Klettern hat ihn begeistert: Mit einem Bild von ihm, auf dem er sich mit einem Arm am Felsen in atemberaubender Höhe festhält, hat er uns besonders beeindruckt. Jugendlicher Leichtsinn, für ihn damals wichtig, aber nach einem schweren Sturz, hat er gemerkt, dass ihm sein Leben wichtiger ist und hat sich von da an immer gesichert.

Nach einer sehr erfolgreichen Karriere, beendete er das Profiklettern und entdeckte die Freude an Exkursionen für sich. Diese beging er häufig zusammen mit Kurt Albert und Holger Heuber. Für ihn haben die Menschen die Exkursionen so erfolgreich gemacht, weil sie sich aufeinander verlassen konnten und das gleiche Mindset hatten. So machte er viele Erstbegehungen mit mal mehr und mal weniger gut geplanten Touren. Zwischen Leid und Abenteuer verlief nur ein schmaler Grad. Zum Beispiel paddelten sie über eine Woche mit viel zu wenig Essen zu einem Felsen jenseits jeglicher Zivilisation oder wetteten bei einer Bootstour um 1000$, wer sich zuerst übergeben muss. Aber all dieses Leid hat Stefan nicht aufgehalten, weiter zu machen und in Kenia merkte er zum ersten Mal, was für eine Bedeutung die Menschen und die Kultur in einem Land haben. Seitdem liegt sein Fokus bei den Touren auf dem Wohl der Einheimischen und dem Schutz der Natur. Denn er will dem etwas zurückgeben, dem die Kletterer ihre ganzen Erfahrungen zu verdanken haben.



Sein Vortrag war auch dadurch sehr inspirierend für alle von uns, dass er Lebensweisheiten in seine Geschichten verpackt hat. Er selbst bezeichnet sich als “Jäger des Augenblicks”, weil das Leben für ihn aus Augenblicken besteht und wir entscheiden, wie intensiv wir diese gestalten möchten. Hier sind noch ein paar Tipps, die er uns nahegelegt hat: Hört niemals auf zu träumen. Wenn ihr daran glaubt, wird es passieren. Seid neugierig. Findet Menschen, die euch guttun. Fehler bringen euch weiter…

Nach diesem emotionalen Vortrag saßen wir noch ein bisschen zusammen und haben das ein oder andere Autogramm bekommen. Es war ein sehr bereichernder Tag für uns. Danke Stefan! Home — STEFAN GLOWACZ
Leni und Finja im Namen von allen “Die da oben”
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